NDR Kultur – Das Journal
Kultur (D 2026)
Auferstanden von den Toten: Wie KI uns digital unsterblich machen kann Es gibt sie als Podcast, Chatbot und auch schon als Avatar: Menschen, die eigentlich tot sind, mit denen ihre Hinterbliebenen aber trotzdem weiter kommunizieren können. Künstlicher Intelligenz sei Dank. Inzwischen gibt es verschiedene Plattformen, die die Toten zumindest künstlich wieder zum Leben erwecken. Entweder erstellt man noch zu Lebzeiten seinen digitalen Klon für die Nachwelt oder die Angehörigen übernehmen das. Ein paar Fotos hochgeladen, dazu noch Stimmproben, Chatprotokolle und ein Fragebogen beantwortet – und schon kann mit dem verstorbenen Partner, der toten Mutter wieder gechattet werden. Klingt futuristisch, ist aber schon Realität. Eine seltsame noch dazu. Denn welche Auswirkungen hat das auf den Trauerprozess? Wie ist es ethisch zu bewerten, wenn Plattformen, deren vornehmliches Interesse es ist, Geld zu verdienen, diese Avatare anbieten? "NDR Kultur – Das Journal" diskutiert darüber mit Judith Simon, Professorin der Ethik in der Informationstechnologie an der Universität Hamburg, und dem Medienkulturwissenschaftler Dr. Martin Hennig. Die unbekannte Seite von Astrid Lindgren im Kino: ein Dokumentarfilm über ihre Kriegstagebücher "Schade, dass niemand Adolf Hitler erschießt", das ist ein Satz der berühmtesten Kinderbuchautorin der Welt. Ein Satz, den wohl niemand von Astrid Lindgren erwartet hätte, der Schöpferin von "Pippi Langstrumpf". In ihren zwischen 1939 und 1945 entstandenen Kriegstagebüchern schildert Lindgren den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive einer Mutter und Humanistin: die Schrecken von Diktatur und Judenverfolgung, aber auch ihre Hoffnung auf Mitmenschlichkeit. Regisseur Wilfried Hauke hat jetzt einen Dokumentarfilm über Lindgrens Kriegstagebücher gedreht: "Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren". Erstmals sprechen die Tochter, die Enkelin und der Urenkel gemeinsam in einem Film über die legendäre Schriftstellerin, zentrale Stellen der Kriegstagebücher hat Hauke mit einer Schauspielerin nachinszeniert. Die aufwendige und sehr sehenswerte Dokumentation ist eine Koproduktion mit NDR/Arte und kommt am 22. Januar ins Kino. Neue Oper ja, Dokumentationszentrum nein? Der Unternehmer Kühne, die Stadt Hamburg und ihr Umgang mit dem Holocaust Mit einer neuen Oper will sich Unternehmer Klaus-Michael Kühne in Hamburg ein Denkmal setzen, die Stadt freut sich über das großzügige Geschenk von einem der reichsten Deutschen, einen spektakulären Entwurf gibt es schon. Mit der Aufarbeitung der Rolle des Unternehmens Kühne+Nagel während der Nazizeit läuft es aber nicht ganz so rund. Ein Beispiel: Der Baustart eines geplanten Dokumentationszentrums, das auch ein dunkles Kapitel von Kühnes Geschichte erzählen soll, verzögert sich seit Jahren. Es ist kompliziert, denn auch hier hat sich die Stadt Hamburg von einem anderen privaten Sponsor abhängig gemacht, der aber nicht anfängt zu bauen. Ein Mitbesitzer von Kühne+Nagel war Adolf Maass, er besaß 45 Prozent vom Hamburger Zweig des heute drittgrößten Logistikunternehmens der Welt. 1933 musste er ohne Abfindung gehen, wohl weil er jüdisch war und ein Kühne-Bruder in die NSDAP eintrat. Nur wenige Hundert Meter entfernt von der neuen Oper wurde Adolf Maass 1942 mit seiner Frau Käthe vom Hannoverschen Bahnhof aus ins KZ Theresienstadt deportiert, so wie mehr als 8000 Hamburger Juden, Sinti und Roma. Adolf und Käthe Maass wurden in Auschwitz ermordet. Alfred Kühne dagegen profitierte in der NS-Zeit von der Enteignung und Versteigerung jüdischer Besitztümer. Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne verweigert sich bis heute einer kritischen Auseinandersetzung mit der Rolle seines Vaters in Nazideutschland. War früher alles besser? Ein Buch über "Die Verkrempelung der Welt" Immer mehr Geräte umgeben uns, sie piepen, fiepen und sollen das Leben mit hochentwickelter Technik einfacher machen. Aber stimmt das wirklich? Oder wird das Leben durch sie nicht oft komplizierter? Der Kommunikationswissenschaftler und Unternehmensgründer Gabriel Yoran nennt solche Produkte "Krempel". In seinem Buch "Die Verkrempelung der Welt" analysiert er, warum Dinge trotz technischer Weiterentwicklung schlechter werden können. Am Beispiel von Induktionsherden mit widerspenstigen Touchflächen oder überfrachteten Kaffeevollautomaten zeigt Yoran, dass Fortschritt keineswegs immer nutzerfreundlich ist. Der Kommunikationswissenschaftler und Unternehmensgründer beleuchtet die Ursachen dieser Entwicklung und stellt auch die Frage, welche unserer Bedürfnisse überhaupt notwendig und legitim sind. Denn am Ende sind die Verbraucher Mitverursacher der "Verkrempelung der Welt". Der "Warhol des Ostens": Ausstellung von Hans Ticha in der Kunsthalle Rostock Er gilt als "Warhol des Ostens" und ist dennoch für viele noch ein Unbekannter. Zu Unrecht. Hans Ticha, der im September 2025 seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, war in der DDR einer der wichtigsten und vielseitigsten Künstler. Sein Werk besticht durch Vielseitigkeit, Popelemente und Gesellschaftskritik. Er selbst nennt seinen Stil "Agitpop". In der DDR musste er zeitweise im Verborgenen malen: Bilder, die das gesellschaftliche Leben im SED-Regime kritisch beleuchteten. Diese Arbeiten hat er versteckt, sonst wäre er womöglich sogar ins Gefängnis gekommen, erst nach der Wende konnte er sie öffentlich zeigen. Nun präsentiert die Kunsthalle Rostock eine umfangreiche Retrospektive mit den Werken aus der DDR-Zeit und Bildern, die danach entstanden sind. Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. März.
- Auferstanden von den Toten – Wie KI uns digital unsterblich machen kann.
- Die unbekannte Seite von Astrid Lindgren im Kino – Ein Dokumentarfilm über ihre Kriegstagebücher.
- Neue Oper ja, Dokumentationszentrum nein? – Der Unternehmer Kühne, die Stadt Hamburg und ihr Umgang mit dem Holocaust.
- War früher alles besser? – Ein Buch über "Die Verkrempelung der Welt".
- Der "Warhol des Ostens" – Ausstellung von Hans Ticha in der Kunsthalle Rostock.
