facebook link

Gernstls Zeitreisen

In den neuen Bundesländern

Gernstls Zeitreisen
BA3
Di, 24.02.2026 | 03:50 - 04:35

Reisen (D 2014)

Kurz nach der Wiedervereinigung fuhr Franz X. Gernstl den 51. Breitengrad entlang durch Ostdeutschland, um sich dort umzuschauen. 25 Jahre später wiederholt er die Reise. Was ist aus den Menschen von früher geworden? Erste Station ist Eisenach, wo die Bürger einst gegen den Golfkrieg protestierten. Dokumentiert wurde das Geschehen von Kameramann und Stadtchronist Lutz Mittelbach. Er war einer, der nach der Wende geblieben ist. Damals blickte er voller Hoffnung in die Zukunft. Zum Wiedersehen kommt Lutz Mittelbach aus Bayern – einer neuen Liebe wegen hat er seine Heimat inzwischen nämlich doch verlassen. In Untersuhl trifft Franz X. Gernstl im "Gasthaus Zum Adler" Georg Bolz wieder. Beim ersten Besuch führte er das Filmteam voller Stolz in den Saal, in dem früher ein Kino untergebracht war. Sein größter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Sein Sohn Günter betreibt das Gasthaus weiter. Auf das Leben und Sterben hat Georg Bolz, mittlerweile 95 Jahre alt, indes seinen ganz eigenen Blick. Sein Leben umgekrempelt hat Orge Zurawski, ein Schauspieler, der sich nach der Theaterkarriere aufs Land zurückgezogen hat. Ende der 1990er-Jahre stürzten ihn Schulden und der Selbstmord seines Sohnes in eine tiefe Lebenskrise, aus der er als Holzfäller in Kanada wieder herausfand. Zurück in Thüringen fing Orge Zurawksi zu buddeln an – und baute sich eine Open-Air-Bühne in seinen Garten. Ihr sinniger Name: AmViehTheater. In Mittweida war Raumfahrt-Fan Tasillo Römisch 1991 gerade dabei, sein Hobby zum Geschäft zu machen. Das hat er geschafft. Heute betreibt er das einzige private Raumfahrtmuseum Deutschlands, in dem er schon 46 Astronauten aus aller Welt empfangen hat. Er wäre selbst auch gern im Weltall gewesen, sagt Tasillo Römisch – wegen des Overview-Effekts, der sich da oben einstellt und den Blick auf die Welt verändert. Zum Schluss der Reise stattet Franz X. Gernstl dem liebgewonnenen Bekannten Jan einen Besuch ab. Der geistig behinderte Junge, der sich rührend um seine ebenfalls behinderte Adoptivschwester Elke kümmerte, ist mittlerweile erwachsen. Vor Kurzem ist er mit seiner Pflegemutter Christine Rösch von Eisenach nach Radebeul bei Dresden gezogen – für beide ein schwerer Einschnitt. Besonders Christine hat Schwierigkeiten, sich einzuleben. Ihr Trost und bester Freund ist Jan.